SPD-Unterbezirksvorstand diskutiert Euro-Krise

Veröffentlicht am 05.09.2012 in Landkreis

In der August-Sitzung des SPD Unterbezirksvorstands Waldeck-Frankenberg in Korbach konnte Vorsitzender Dr. Christoph Weltecke neben den Mitgliedern des Gremiums auch einige Gäste begrüßen, darunter die sozialdemokratischen Bürgermeisterkandidaten aus Korbach und Waldeck, Martin Dörflinger und Marko Haselböck. Weltecke dankte beiden Bewerbern, dass sie sich trotz ihres derzeit prall gefüllten Terminkalenders die Zeit genommen hatten, um mit den Vorstandsmitgliedern über den bisherigen Verlauf des Wahlkampfs und ihre Erfahrungen bzw. persönlichen Eindrücke zu sprechen.

Ein Thema, das Sozialdemokraten auf allen Ebenen beschäftigt ist die derzeitige Krise des Euroraums und ihre möglichen Folgen. Martin Dörflinger, Diplom-Kaufmann und Bereichsleiter Korbach bei der Sparkasse Waldeck-Frankenberg, kam einem Wunsch der Genossinnen und Genossen nach und griff in seinem Vortrag „Die europäischen Finanzmärkte im Umbruch“ das Thema auf und stellte es allgemeinverständlich dar.

Ausgangspunkt war eine Analyse der „widersprüchlichen Situation“ in Deutschland. Die Wirtschaft boomt, noch nie waren so viele Beschäftigte in Lohn und Brot, lange hat der Bund nicht mehr so hohe Steuereinnahmen gehabt und selten war die Kaufbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger so hoch wie jetzt. Dennoch ist die Finanz- und Staatsschuldenkrise eine allgegenwärtige Drohung, die all das Erreichte binnen Kurzem wieder zunichtemachen könnte.

Den Befürwortern schneller Euroausstiegszenarien erteilte Dörflinger eine Absage, da Banken und Wirtschaft bei einem Scheitern der Eurozone nochmals einen Rettungsschirm in Billionenhöhe benötigten und niemand wisse, woher dieses Geld kommen solle. Eine Chance habe der Euro aber dann, wenn die EU zu einer umfassenden Fiskalunion ausgebaut werde. „Wenn Europa als einheitlicher Währungsraum überleben soll, brauchen wir eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik, die bei Bedarf klare Sanktionen und Eingriffsrechte in die nationalen Haushalte vorsieht“, so Dörflinger in seinem Vortrag.

Ursache für die derzeitige Krise sei 2007 der Zusammenbruch des durch unsichere Kredite aufgeblähten amerikanischen Immobilienmarktes gewesen. Da die zweitklassigen Kreditpapiere gebündelt und an ausländische Banken, Hedge-Fonds, Kreditkartenanbieter usw. weiterverkauft worden seien, habe sich die Krise sukzessive weltweit ausgewirkt.

Skandalös sei es, dass noch immer Teile der Finanzindustrie auf der Suche nach größtmöglichen Profiten und ohne Rücksicht auf gesamtwirtschaftliche Verluste in höchst riskanten Bereichen spekulierten. Viele Akteure hätten wohl vergessen, dass die Finanzmärkte keinen Selbstzweck darstellen, sondern ihre Aufgabe darin bestehe, die Realwirtschaft am Laufen und Unternehmen handlungsfähig zu halten. Bei den Sparkassen sei das Bankgeschäft in erster Linie das Geschäft mit Privatkunden, mittelständischen Firmenkunden und Kommunen. Nach diesem Vorbild müsse die Finanzwelt wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Vertrauen sei der Schlüssel zur Lösung auch der internationalen Staatschuldenkrise.

Martin Dörflinger schloss mit dem Fazit, „dass wir trotz aller Widrigkeiten schon heute Anlass haben, vorsichtig optimistisch in die Zukunft zu schauen, weil wir mit unserer Wirtschaft und unserem dezentral verfassten Bankensystem gut aufgestellt sind, so dass es für Untergangsstimmung keinen Anlass gibt“. An den Vortrag schloss sich eine lange und lebhafte Diskussion an.

Weiterhin beschäftigte sich der Unterbezirksvorstand dann noch mit dem Fahrplan für die Landtagswahl 2013, mit den Berichten aus der Projektgruppe „Ortsvereinswerkstatt“ sowie der Organisation der Mitgliederehrung, die am 7. September in Edertal-Gellershausen stattfinden soll.

Das Bild zeigt den Unterbezirksvorstand mit seinem Vorsitzenden, Dr. Christoph Weltecke (sechster von rechts), und den Bürgermeisterkandidaten Martin Dörflinger (sechster von links) und Marko Haselböck (rechts).

 

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