Dr. Daniela Sommer Die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Neuschäfer hat im Hessischen Landtag eine kleine Anfrage bezüglich der Vereinbarkeit von Hochschule und Familie an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt. Wissen wollte die Abgeordnete, die sich in ihrer Dissertation mit der Implementierung einer familienfreundlichen Personalpolitik beschäftigt hat, welche Anreize und Maßnahmen die Landesregierung für Studierende und Beschäftigte schafft, um den Anforderungen der Vereinbarkeit von Hochschule/Beruf und Familie/Pflege gerecht zur werden.
Die Landesregierung verlautbart, dass sie eine flexible Studiengestaltung gewährleiste, das Teilzeitstudium ermögliche, und verweist in diesem Zusammenhang auf das Studienstrukturprogramm sowie auf studiengestalterische Maßnahmen zur familiengerechten Hochschule, unter diese beispielsweise Kinderbetreuungsmöglichkeiten subsumiert werden.
Im Bereich der Beschäftigten wird auf die Verantwortung der hessischen Hochschulen, auf die jeweiligen Dienstvereinbarungen und der dort praktizierten flexiblen Arbeitszeit verwiesen.
Dr. Neuschäfer, die Fachfrau in dieser Thematik ist, ist das zu wenig. „Noch immer sind die Probleme, Hochschule und Familie/Pflege zu vereinbaren, immens. Vor allem Beschäftigte an Hochschulen wird die Vereinbarkeit oftmals nicht gewährt. Sie sind aber das Fundament der Hochschule, das für einen reibungslosen Ablauf der Wissensschmiede von großer Bedeutung sind!“ Eine wesentliche Herausforderung für das wissenschaftliche Personal stelle dabei die Aufgabenüberschneidung im Arbeitsalltag dar, die eine hohe Flexibilität und Selbstorganisation - vor allem angesichts der rasant gewachsenen Studierendenzahlen und Promotionsanforderungen - bedarf. Sie ergänzt: „Vielleicht ist es immer noch nicht deutlich genug, dass der demographische Wandel Familienbewusstsein zu einem immer wichtigeren Faktor im Wettbewerb um Studierende und um wissenschaftliches Personal macht. Was für die Wirtschaft gilt, ist für Hochschulen ebenfalls sehr drängend: Der hochqualifizierte Nachwuchs wird angesichts der demografischen Entwicklung in absehbarer Zeit deutlich knapper. Weder Wirtschaft noch Hochschulen werden es sich künftig leisten können, den Wunsch junger Frauen und Männer zu ignorieren, Beruf und Familie zu vereinbaren.“
Vor allem der Anteil von Frauen sinke mit jeder weiteren Qualifikationsstufe, d.h. wenige Frauen, die einen Hochschulabschluss absolvieren, promovieren oder habilitieren. Dies liege vor allem daran, dass die Phase der Qualifizierung häufig in die Phase von Familiengründung und/oder Kindererziehung falle und die Vereinbarkeit beider Aufgaben oftmals zum Problem werde. Die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie sei allerdings nicht allein ein Frauenproblem. Zunehmend gebe es gerade im hochqualifizierten Bereich Paare (Dual Career Couples), wo beide eine Karriere anstreben. „Um das Potenzial Hochqualifizierter auszuschöpfen, muss die Vereinbarkeit von Hochschulen und Familie besser werden“, sagt Neuschäfer, die stellvertretende hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.
„Nur mit günstigen Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit für Wissenschaftler und ihre Familien an Hochschulen wie z. B. mehr Telearbeitsplätze und mehr lebensphasenorientierten Vereinbarkeitsmaßnahmen wird die Hochschul- und Wissenschaftslandschaft wettbewerbsfähig bleiben“, ist sich Dr. Daniela Neuschäfer sicher. „Familienfreundliche Hochschulen sind attraktiv für Studierende, den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch optimierte Rahmenbedingungen können unter anderem die Voraussetzungen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Exzellenz geschaffen werden.“