
Der SPD-Unterbezirk Waldeck-Frankenberg hat bei seinem Parteitag in Rattlar einen Generationswechsel an der Spitze vollzogen. Karl-Heinz Stadtler (Vöhl) der den Kreisverband 12 Jahre lang geführt hatte, verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Zu seinem Nachfolger wählten die Delegierten den 36jährigen Korbacher Juristen Dr. Christoph Weltecke. Zu Stellvertretern wurden neben Hannelore Eckard (Bad Arolsen) der Frankenauer Bürgermeister Björn Brede (Frankenau) sowie Andreas Schaake (Edertal) gewählt, beide noch im Juso-Alter.
In seinem Rechenschaftsbericht ging Karl-Heinz Stadtler noch einmal auf seine gesamte Amtszeit als Unterbezirksvorsitzender ein. Diese war auf Kreisebene vor allem durch das „System Eichenlaub“ geprägt. Obwohl die Sozialdemokraten während der gesamten Zeit die stärkste Fraktion stellten, seien sie konsequent von allen wichtigen Funktionen ausgegrenzt worden, entgegen allen demokratischen Gepflogenheiten. So habe man der SPD u.a. das Amt des Kreistagsvorsitzenden verweigert, das ihr als größter Fraktion zugestanden hätte.
Dennoch habe die SPD im Kreistag konstruktive Oppositionsarbeit geleistet und vor allem die Aufklärung des Systems Eichenlaub angestoßen, über die die bürgerlichen Parteien am liebsten das Mäntelchen des Schweigens gebreitet hätten. Als großen persönlichen Erfolg verbuchte Karl-Heinz Stadtler sein Ergebnis bei der Landratswahl 2003, als er den Amtsinhaber an den Rand einer Niederlage gebracht hatte, sowie die letzte Kommunalwahl, bei der die SPD die politische Gestaltung in einer Kernkoalition mit den Grünen wieder in die Hand genommen habe. Auch habe der Unterbezirk Waldeck-Frankenberg als einziger in Hessen einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen.
Im Anschluss stellte Dr. Christoph Weltecke in einer Grundsatzrede den Delegierten des Parteitags seine politischen Ziele vor. „Demokratie fällt nicht vom Himmel, sondern muss immer wieder neu erarbeitet werden“, lautete einer seiner Kernsätze. Er wolle mit der Partei auf die Menschen zugehen und das Gespräch mit ihnen suchen. Dies betreffe auch Vereine und Organisationen wie Gewerkschaften und Sozialverbände. Eindringlich mahnte er auch eine faire Streitkultur an. Man dürfe in der Sache hart diskutierten, dabei aber nicht die Grenze zu persönlichen Verletzungen oder Verunglimpfungen überschreiten. Dies betreffe sowohl die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner als auch interne Diskussionen. Christoph Weltecke forderte auch für die SPD ein scharfes Profil, das ihre Eigenständigkeit betone und sie klar gegenüber anderen Parteien abgrenze. „Ich freue mich darauf, Vorsitzender einer linken Volkspartei zu sein“, betonte Christoph unter dem Beifall aller Delegierten.
Er wies auch auf seine bisherige politische Arbeit hin. ChristophWeltecke ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Korbach und absolviert gerade seine zweite Wahlperiode im Kreistag, wo er das Amt des Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden innehat. Im Akteneinsichtsausschuss zur Affäre Eichenlaub fungierte er als stellvertretener Vorsitzender, der Abschlussbericht trägt seine Handschrift. Das Vertrauen der Partei kam auch in seiner Berufung zum Vorsitzenden der Findungskommission für die Wahl des neuen Ersten Kreisbeigeordneten zum Ausdruck. Christoph Weltecke ist in seiner knapp bemessenen Freizeit auch ehrenamtlich aktiv, u.a. als Vizepräsident des Hessischen Landesfeuerwehrverbandes sowie als langjähriger Vorsitzender der Jugendfeuerwehren auf Landesebene.
Seinem Vorgänger dankte Christoph Weltecke für die geleistete Arbeit. Er habe in seiner gesamten aktiven Zeit in der SPD nur einen Unterbezirksvorsitzenden gekannt, nämlich Karl-Heinz Stadtler. Diese Konstanz erinnere ihn an seine Jugend, wo es immer nur einen Papst gegeben habe. Karl-Heinz Stadtler sei ein Mensch, der nie die Bodenhaftung verloren und nie abgehoben habe, sagte der neue Vorsitzende. Es sei Zeit dies zu ändern. Deshalb überreichte er seinem Vorgänger namens der Partei als kleines Dankeschön einen Gutschein für einen Rundflug über den Landkreis.
Als weitere Redner berichteten Landrat Dr. Reinhard Kubat sowie der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag und Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl über ihre Arbeit. Die Grüße der heimischen Bundestagsabgeordneten überbrachte Dr. Edgar Franke (Gudensberg). Auch der neue Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf stellte sich den Delegierten vor und erläuterte seine politischen Ziele, die er gemeinsam mit Reinhard Kubat im Kreis verwirklichen will.
Foto: Jörg Kleine, WLZ-FZ