„Die Zeichen für die SPD stehen in jeder Beziehung gut“, freut sich Karl-Heinz Stadtler, der Unterbezirksvorsitzende der Waldeck-Frankenberger Genossen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist 2010 kein Rückgang der Mitgliederzahlen, sondern sogar ein – wenn auch kleiner – Zuwachs zu verzeichnen. 1849 Mitglieder zähle die Partei im Kreis nun.
Die Gründe sind nach Stadtlers Meinung vielfältig. Großen Anteil habe der Erfolg bei der Landratswahl im vorvergangenen Jahr gehabt. Die SPD habe Kampagnefähig¬keit zeigen und mit einem nachhaltig wirkenden Schwung für die Wahl Dr. Reinhard Kubats werben können. „Reinhard Kubat ist ein wichtiger Sympathieträger“, meint auch die stellvertretende Kreisvorsitzender der SPD, Hannelores Eckhardt; und dies gelte nun auch ganz besonders nach seinem Amtsantritt.
Ihr Kollege Christoph Weltecke macht einen weiteren Grund für die positive Entwicklung der SPD in den Folgen der Eichenlaub-Affäre aus: „Im Unterschied zu vielen anderen können wir erstens feststellen, dass wir mit Eichenlaubs Eskapaden nichts zu tun haben, und dies glaubt man uns wohl auch; und zweitens arbeiten wir für die Öffentlichkeit erkennbar aktiv an der Aufklärung der Affäre mit.“ Zwar gebe es auch schon wieder einige, die angesichts der Dauer der Diskussion meinen, sie hätten langsam genug von der Affäre; doch die Mehrheit wolle wohl immer noch eine rückhaltlose Aufklärung. Und genau hierzu habe sich die SPD durch Vorstands- und Fraktionsbeschlüsse eindeutig bekannt.
Andreas Schaake, Chef der Jungsozialisten im Landkreis, erinnert insbesondere an eine starke Zunahme an jungen Mitgliedern in Frankenberg und Umgebung; einige politisch Interessierte Jugendliche hätten in ihrem Umfeld gezielt nach Gleichgesinnten gesucht, und so habe sich dort eine aktive Juso-Gruppe bilden können.
Bei genauerer Analyse der Mitgliederentwicklung und in Gesprächen mit Neumitgliedern stellt sich zudem heraus, dass die katastrophale Wahlniederlage der SPD bei der Bundestagswahl zu einer Vielzahl von Eintritten geführt hat. Da mag es für einige einen gewissen Mitleideffekt gegeben haben; anderen hat die andere Schwerpunktsetzung der Bundes-SPD in der Wirtschafts- und Sozialpolitik gefallen haben. „Die neuen SPD-Mitglieder haben ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit“, meint Schaake und sieht die Eintritte in die SPD auch als Reaktion auf die schwarz-gelbe Koalition und ihre Politik in Berlin.
„Die Wahlniederlagen in Bund und Land haben auf beiden Parteiebenen zu einer größeren Offenheit und dem Wunsch nach stärkerer Mitgliederbeteiligung bei der Festlegung politischer Ziele geführt“, sagt Karl-Heinz Stadtler und ergänzt: „Diese größere Offenheit macht die SPD wieder attraktiv, weil die Mitglieder Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben.“
Im Kommunalwahlkampf hofft die SPD auf viele weitere neue Mitglieder.