Alle 4 Sekunden ein Kraftfahrzeug, alle 25 Sekunden ein LKW

Veröffentlicht am 21.08.2005 in Landkreis

Mit einem solchen Ergebnis hätten sogar die Zähler nicht gerechnet: Am Freitag, dem 29. Juli, zwischen 15.30 und 16.30 Uhr registrierten Mitglieder des SPD-Ortsvereins Twistetal auf der B 252 in der Ortsdurchfahrt Twiste 903 Fahrzeugbewegungen: 402 PKWs und 56 LKWs kamen aus Richtung Arolsen, 395 PKWs und 50 LKWs fuhren in die Gegenrichtung. Das bedeutet: alle 4 Sekunden fuhr ein Fahrzeug vorbei, alle 34 Sekunden ein LKW. Sogar noch mehr LKWs wurden am Dienstag, dem 2. August, von den Vöhler Genossinnen und Genossen in Dorfitter gezählt: 146 in einer Stunde; alle 25 Sekunden ein Brummi. Die Zählungen in Herzhausen und Berndorf brachten vergleichbare Ergebnisse.

Tageszeitbedingt gab es Unterschiede. Die geringste Zahl wurde am Montag zwischen 6 und 7 Uhr mit 420 Fahrzeugen ermittelt. Doch auch hier waren es immerhin 90 LKWs pro Stunde. Zur selben Zeit waren es in Berndorf 113 Lastkraftwagen, davon 88 in Nord-Süd-Richtung.

Ermittelt wurde auch der Anteil der LKWs, die nicht aus Waldeck-Frankenberg, dem Hochsauerlandkreis oder dem Landkreis Marburg-Biedenkopf kommen. Je nach Tag und Uhrzeit schwankte der Anteil „fremder“ LKWs zwischen 60 und 70 Prozent. Einig waren sich die Mitglieder der beiden SPD-Ortsvereine Vöhl und Twistetal bei einem anschließenden Auswertungsgespräch in der folgenden Aussage: Die Belastung der Menschen an den Ortsdurchfahrten ist unerträglich. Ähnlich äußerten sich Passanten, die die Zählaktion durchweg als gut und notwendig ansahen. Da sagte eine junge Frau aus Twiste: „Man kann nicht einmal nachts, geschweige denn am Tag ein Fenster aufmachen – auch nicht auf der Rückseite des Hauses.“ Ein Mann aus Dorfitter beklagte Vibrationsschäden durch die schweren LKWs an seinem Haus. Jemand aus Berndorf meinte gar: „Eigentlich möchte ich hier gar nicht mehr wohnen.“ Und alle waren sich einig: „Es wird Zeit, dass etwas unternommen wird.“ „Wir haben an Ferientagen gezählt“, meinte Vöhls SPD-Vorsitzender Sven Bökenschmidt; „wahrscheinlich hätten wir außerhalb der Urlaubszeit noch deutlich höhere Ergebnisse erhalten.“ „Vor allem am frühen Morgen und am späten Nachmittag wäre mehr Berufs- und Schulverkehr hinzugekommen“, ergänzte Friedhelm Wagener, SPD-Ortsverein Twistetal, und regte an, ob man nicht nach den Ferien noch einmal zählen solle.
Weitere Feststellungen waren:
  • vor allem in Herzhausen brausen recht oft PKWs wie auch LKWs mit kaum verminderter Geschwindigkeit durchden Ort;
  • an einer Ampelanlage in Twiste fuhren zwei LKWs trotz Rot weiter;
  • Verkehrsteilnehmer aus den innerörtlichen Nebenstraßen, aber auch aus einmündenden Landstraßen sind- vor allem beim Linksabbiegen- auf die Freundlichkeit der Fahrer auf der Bundesstraße angewiesen; im Extremfall mussten sie mehrere Minuten warten.
Nun fehlt für die Verkehrszählung der Vergleich mit der Vor-Maut-Zeit. Dies ist deshalb der Fall, weil Behörden, denen auch Vergleichszahlen vorliegen, diese Ergebnisse zurück halten. Bekannt ist aber, dass 1998 in Bottendorf 680 LKWs an einem Tag gezählt wurden. Zumindest zwischen 6 Uhr und 20 Uhr sind auf der B 252 zur Zeit jede Stunde im Durchschnitt mehr als 100 LKWs unterwegs; dies allein macht 1400 LKWs; hinzu kommen die nicht gezählten Lastkraftwagen zwischen 20 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen. Aber selbst ohne diese Fahrzeuge kommen wir auf eine Steigerung um mehr als 100 % innerhalb von 7 Jahren. In der Abschlussbesprechung der beiden Ortsvereine, an der auch SPD-Unterbezirksvorsitzender Karl-Heinz Stadtler (Vöhl) teilnahm, wurde gefordert,
  • dass die Ergebnisse offizieller Verkehrszählungen bezüglich der B 252 und gegebenenfalls anderer stark belasteter Straßen im Kreis endlich veröffentlicht werden,
  • dass verstärkt Geschwindigkeits- und Gewichtskontrollen für Lastkraftwagen durchgeführt werden,
  • dass das Bundesmautgesetz insofern umgesetzt wird, dass dauerhafte Mautausweichstrecken bemautet werden (auszunehmen ist allerdings der sogenannte Ziel- und Quellverkehr),
  • dass alle Möglichkeiten des Straßenverkehrsrechts, auch Beschränkungen gemäß §45 der Straßenverkehrsordnung, angewendet werden und
  • dass die Ortsumgehungen an der B252 schnell realisiert werden.
SPD-Unterbezirksvorsitzender Karl-Heinz Stadtler und die Ortsvereinsvertreter von Twistetal und Vöhl verabredeten eine kontinuierliche Zusammenarbeit bei dieser Thematik. Über weitere gemeinsame Aktionen im Herbst wird nachgedacht. Anlieger in den betroffenen Orten, die Aktionen mitplanen und durchführen wollen, sind dazu herzlich eingeladen und können sich an Sozialdemokraten in den jeweiligen Orten wenden.
 

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