Stolperstein für Karl Richter vor dem Haus Untermarkt 16 in Frankenberg Karl-Hermann Völker, Vorsitzender des Frankenberger Geschichtsvereins und Mitglied des SPD-Ortsvereins Burgwald, hat die Geschichte des Frankenberger Sozialdemokraten Karl Richter aufgearbeitet und mit Bildern und Dokumenten bis zur Ermordung des Widerstandskämpfers im KZ Majdanek in einer Bildpräsentation dokumentiert. Dabei stieß er auch auf eine komplette Liste aller von der Gestapo überwachten SPD- und KPD-Mitglieder der Frankenberger Region. Er bietet allen interessierten Gruppen oder Ortsvereinen an, seinen etwa einstündigen Vortrag mit Bildern „Sie nannten ihn Carlos. Das Schicksal des Frankenberger Sozialdemokraten und Widerstandskämpfers Karl Richter (1907-1944)“ auf Nachfrage zu halten.
Sie nannten ihn Carlos
Der Frankenberger Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer Karl Richter
Der kleine Pappkoffer, den das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig im Frühjahr 2006 dem Frankenberger Geschichtsverein als Leihgabe zur Verfügung stellte, wirkte unscheinbar und zerschlissen. Für die noch lebenden Nachfahren der Familie des Bergmannes Karl Richter vom Untermarkt 16 aber wurde das unscheinbare Köfferchen zu einem wertvollen Erinnerungsstück: Es war im Juni 1944 aus dem KZ Majdanek mit den letzten Habseligkeiten des dort von den Nazis umgebrachten Sohnes und Frankenberger SPD-Mitgliedes Karl Richter (1907 - 1944) an seine in Leipzig lebende Schwester Änne Griese versandt worden.

Nachdem in Leipzig später Kinder mit dem Köfferchen gespielt hatten, entdeckte die Familie eines Tages durch Zufall, dass sich in der Stoffbespannung des Deckels noch zehn Fotos und Dokumente befanden, die Karl Richter dort versteckt gehalten hatte. Darunter befanden sich auch Ausweispapiere, die ihm während seiner Teilnahme am spanischen Bürgerkrieges gegen den faschistischen General Franco ausgestellt worden waren. Die Familie Griese übergab deshalb Koffer und Dokumente am 28.4.1967 dem Leipziger Georgi-Dimitroff-Museum, dessen Bestände nach der Wiedervereinigung vom Stadtgeschichtlichen Museum übernommen wurden.
Wer war dieser Frankenberger Karl Richter, der als Sozialdemokrat im Baskenland 1937 in den antifaschistischen Milizen der gewerkschaftlich orientierten Anarchisten (CNT) gekämpft, 1941 nach Francos Sieg von Spanien ausgewiesen, in Innsbruck der Gestapo in die Hände gespielt und in das KZ Sachsenhausen verschleppt worden war?

Die Spurensuche begann in Frankenberg in der Bergstraße 19a, wo seine Nichte Margarete Fontenot geb. Kornemann noch Originalbriefe ihres Onkels aus dem KZ Sachsenhauseen sowie Bildpostkarten aufbewahrt, die den jungen Frankenberger als Wanderarbeiter zeigen.
Im August 1920 war seine Familie in das Haus Untermarkt Nr. 16 eingezogen. Karl Richter war zu dem Zeitpunkt 13 Jahre alt. Als Kind des aus Adorf im Waldeckischen stammenden Bergarbeiters Karl Richter (geb. 02.02.1881) und seiner Ehefrau Mathilde geb. Klein (geb. 19.07.1882 in Linden Krs. Hattingen), war Karl am 16.04.1907 in Baak bei Hattingen (Standesamt Linz) geboren worden. Wie aus der Einwohnermeldekartei hervorgeht, war der Vater bereits Invalide, als sich die Familie in Frankenberg niederließ. Ein Grubenunglück hatte sein Gesicht mit blauen Flecken gezeichnet, weshalb er in Frankenberg den Spitznamen „der blaue Richter“ trug. Obwohl er zu schwereren Arbeiten nicht mehr fähig war, versuchte sich der Vater im Haus nützlich zu machen, indem er Uhren reparierte, den Kindern die Schuhe flickte, in der Eder Fische angelte und im Herbst Pilze suchte. Es lastete also sehr viel auf Mutter Mathilde, die mit wenig Geld vier Kinder großzuziehen hatte: die Töchter Mathilde, Änne und Hulda sowie den Sohn Karl.
Dieser versuchte deshalb frühzeitig Arbeit zu finden in Holzwickede und Sölde (1922), in Wildungen (1924), dann war er wieder vier Jahre zu Hause, bis er sich zur „Wanderschaft“ im April 1928 abmeldete. Aus Köln kehrte er im selben Jahr im Herbst wieder zurück, im Juni 1929 meldete er sich ab nach Langelsheim im Harz. 1930 ging er im April auf Wanderschaft mit unbekanntem Ziel und kehrte im September 1930 wieder zurück, so er später bei einem nächtlichen Einsatz für die „Eiserne Front“ am Goßberg verhaftet und ins Gefängnis gesperrt wurde.