Vor 75 Jahren: 30. Januar 1933

Veröffentlicht am 30.01.2008 in Service

Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler, den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, zum Reichskanzler. Vizekanzler und Reichskommissar von Preußen wird der parteilose Franz von Papen. Weitere nationalsozialistische Minister werden Wilhelm Frick (für Inneres) und Hermann Göring (Minister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für Luftfahrt, preußischer Innenminister). Hugenberg, Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und Franz Seldte (Chef der paramilitärischen Organisation „Stahlhelm“) werden Minister für Wirtschaft und Ernährung bzw. für Arbeit. General von Blomberg, wird auf Wunsch des Reichspräsidenten Reichswehrminister.
Aus Anlass der Ernennung Hitlers zum Kanzler findet abends in Berlin eine Parade mit Fackelzug statt, an der SA, SS und Stahlhelm teilnehmen.

Alfred Hugenberg und Franz von Papen sind überzeugt, A. Hitler zähmen zu können.

In der ersten Kabinettssitzung spricht sich Hitler gegen ein sofortiges Verbot der KPD aus, da dies den Generalstreik und schwere innere Unruhen auslösen könnte. H. Göring betont demgegenüber, dass nach seinen Feststellungen die SPD im Augenblick einen Generalstreik nicht mitmachen werde. Hugenberg hält die Unterdrückung der KPD für nötig, um die erforderlichen Mehrheiten im Reichstag zu bekommen. Dann sei auch ein Ermächtigungsgesetz möglich.

Die KPD ruft zum Generalstreik auf. Die SPD lehnt Kampfmaßnahmen zu diesem Zeitpunkt ab; erstens wegen des legalen Charakters der Regierungsübertragung, zweitens weil man sich gegen Staatsmacht und NS-Kampftruppen keine Chance ausrechnet.

In zahlreichen Großstädten kommt es zu Demonstrationen der Arbeiterschaft gegen A. Hitler.
Der »Vorwärts« schreibt in seiner Abendausgabe: »Gegenüber dieser Regierung der Staatsstreichdrohung stellt sich die Sozialdemokratie und die ganze »Eiserne Front< mit beiden Füßen auf den Boden der Verfassung und der Gesetzlichkeit. Sie wird den ersten Schritt von diesem Boden nicht tun.«

Der Vorstand der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) fordert die Vorstände von SPD, KPD, ADGB und AfA-Bund vergeblich auf, zu gemeinsamen Besprechungen zusammenzukommen.
Die SPD-Reichstagsfraktion beschließt, einen formellen Misstrauensantrag gegen die neue Regierung einzubringen.
Parteivorstand und Reichstagsfraktion der SPD erlassen einen Aufruf:

Der Chefredakteur des »Lübecker Volksboten« und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Julius Leber wird in der Nacht in Lübeck von bewaffneten Nationalsozialisten überfallen und durch Messerstiche verletzt. Angehörige des Reichsbanners verteidigen ihn. Dabei wird ein SA-Mann in Notwehr getötet. Leber und einer der Reichsbannerleute werden verhaftet. Die Lübecker Arbeiterschaft führt daraufhin einen befristeten Proteststreik durch. (Nach einer anderen Quelle fand der Überfall auf Leber am 1. Februar statt.)
Alle gewerkschaftlichen Spitzenverbände wenden sich an ihre Mitglieder: »Die Lebensinteressen der gesamten Arbeitnehmerschaft stehen auf dem Spiel. Um Angriffe gegen Verfassung und Volksrechte im Ernstfalle wirksam abzuwehren, ist kühles Blut und Besonnenheit erstes Gebot. Lasst euch nicht zu voreiligen und darum schädlichen Einzelaktionen verleiten.«

Dokumente:
Amtliche Mitteilung über die Ernennung Hitlers zum Kanzler und die Neubildung des Kabinetts
Auszug aus dem Protokoll des Kabinetts
Aufruf des Parteivorstands der SPD
Bericht in der WLZ vom 1.2.1933

In Waldeck-Frankenberg:

„Tausende strömten triumphierend durch die Straßen der Städte und Dörfer. Spontane Jubelkundgebungen mit Fackelzügen gaben der Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung Ausdruck. Allen voran marschierten SA-Trupps, die den Tag der Regierungsübernahme mancherorts zu einem Tag der Abrechnung mit politischen Gegnern machten.“ (dieser und die folgenden Berichte aus: Günter Steiner, Waldecks Weg ins Dritte Reich, 1990, S. 215-218)

In Korbach fand aus Anlass der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ein Fackelzug mit anschließender Kundgebung am Berndorfer Torplatz teil. Gaupropagandaleiter Gerland richtete eine „Feuerrede“ an die begeisterten Zuhörer.

In Arolsen gab es ebenfalls einen Umzug mit Abschlusskundgebung auf dem Kirchplatz. Redner war hier NS-Agitator Biedermann aus Korbach.

Auch in Bad Wildungen gab es eine Jubelkundgebung, hier allerdings verbunden mit Gewaltakten gegen politische Gegner, die man schlimm zusammenschlug.

In Landau gab es einen Fackelzug durch die „menschenumsäumten“ Straßen.

Korbach: laut Einwohnermeldekartei sind 122 Juden mit Wohnsitz in Korbach gemeldet.

 

Homepage SPD Waldeck-Frankenberg